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Handelsform

Bioladen oder ?

Auch unser gemütliches Bonn erfreut sich einer wachsenden Zahl an Verkaufsstellen für Bioprodukte.
Angenehm für die Verbraucherinnen und Verbraucher, die nächste Einkaufsquelle ist vielleicht schon ums Eck. Aber ob ein Discounter die richtige Struktur ist, um auch Bio-Produkte zu vermarkten? Was zeichnet einen Bioladen wie Momo aus?
 
Als die Industrialisierung der Lebensmittel und der Landwirtschaft von einer entbehrungsgeschädigten Kriegsgeneration unkritisch als fortschrittlich betrachtet wurde, entstand Ende in den 1960-Jahre die Naturkost-Bewegung.
Dabei spielte die Gesundheit des Konsumenten ebenso eine wichtige Rolle wie auch Nachhaltigkeit, also Umweltschutz, Ressourcenschonung, Transportvermeidung und Regionalität, partnerschaftlicher Handel uvm.
Einem Produkt, das mit "bio" ausgelobt wird, genügt es wenn der Anbau nach gesetzlichem Mindesstandard stattfindet; was ist mit den anderen Punkten?
Im ruinösen Einkauf besteht eine der Gefahren, die von Discountern ausgeht. Der Einkaufspreis orientiert sich nicht am Bedarf der Erzeuger. Leitbild ist der günstigste Preis, ohne Rücksicht auf Umwelt und Menschen, Rationalisierung ist das Zauberwort.
Die Spannen werden mit Menge reduziert, aber nicht auf Kosten des Gewinns. Das Geheimnis liegt in der Beschränkung auf wenige Artikel und dem Verzicht auf jeden Schnickschnack, der nicht tatsächlich mit Warenwert zu tun hat.
Grosse Ketten können tatsächlich billig: Sie haben ihre eigenen Kosten radikal reduziert und ermöglichen auch ihren Lieferanten durch Konzentration auf wenige, mengenstarke Artikel eine echte Kostensenkung Ohne Qualitätsverlust, innerhalb einer konventionellen Definition von Qualität.
An diesen Preisvorgaben der Discounter werden andere Anbieter gemessen.
Auch die, die viel höhere Kosten haben. Weil sie mehr als 500 Artikel führen, weil Vielfalt, Frische, Regionalität, Service, Beratung deutlich höhere Abwicklungskosten mit sich bringen.
Das ist weniger schade im Falle unterschiedlicher Marken mit industriell hergestelltem, quasi identischem Inhalt, aber sehr schade im Falle regionaler, typischer, individueller, handwerklich hergestellter Proveniencen, die niemals solche Mengen erreichen können und sollen (weil sich der Charakter sonst ändern würde), wie sie für ein solches System erforderlich sind.
Könnte man nicht einfach sagen, 700 Artikel sind genug, um die Bevölkerung zu versorgen? Muss denn all diese Vielfalt sein, ist sie nicht Luxus?
Unter den Rahmenbedingungen eines Notstandes hätte dieser Standpunkt sicher einiges für sich. Und die Gründungssituation des Discounters als Handelsform ist nicht zufälligerweise geprägt durch eine Notsituation: Nachkriegszeit, Inflation, Trümmer, Hunger. 500 Artikel, für jedermann bezahlbar und den täglichen Bedarf grundsätzlich abdeckend, waren eine volkswirtschaftliche, eine durchaus ideell motivierte und begreifbare Großtat, ein Verdienst um die Bedürfnisse einer notleidenden Bevölkerung.
 
In einer Situation, in der Lebensmittelpreise nirgends so niedrig sind wie in Deutschland, gemessen am Wohlstand der Bevölkerung, und ein Lebensmittelmarkt aufgrund fehlender Verdienstmöglichkeiten und wirtschaftlicher Enge von einem Qualitätsskandal in den nächsten taumelt, darf man fragen, ob Discounter nicht mit Vehemenz ein Problem lösen, das längst keines mehr ist und damit andere, ebenso schwerwiegende Probleme verursachen. Überoptimierung nennt man das.
Dies auch mit Blick auf Bio- Discounter und Bio-Supermarkt-Ketten. Hat ein Handelssystem, welches sich auf die Kombination niedriger Preise mit hoher Bio- Qualität verlegt und dies mit der konsequenten Beschränkung des Sortiments und damit der eigenen Kosten realisiert, ein Erfolgspotential?
Auf den gesamten Biomarkt wird ein Preisdruck ausgeübt, der zu Industrialisierung und Verringerung von Vielfalt führen kann. Schön, wenn man 500 Artikel günstig kaufen kann. Aber wollen wir unser Leben auf 500 Artikel und deren mehr oder weniger austauschbare Verpackungsvarianten beschränken, selbst wenn diese biologisch angebaut sind? Mit maximalem Rationalisierungs- und Mechanisierungsgrad schon in der Landwirtschaft, Hochleistungszucht, industrialisierter Verarbeitung mit zunehmenden Kompromissen bei Produktionshilfsstoffen und Frische, verschwindender Regionalität und Individualität?
 
Eine nicht schwer zu beantwortende, in Weltanschauungen hineinreichende Frage.
Durch Bio- Discounter und -Supermarkt-Ketten entstehen agressive Strukturen. Ein Verdrängungswettbewerb tobt, dem zuerst die alteingesessenen Bioläden erliegen und damit unwiederbringbar ein Stück Pioniergeschichte, Individualität und Vielfalt verloren geht. Um anschliessend, im Kampf untereinander auch die "Grossen", von Insolvenzen betroffen, eine wahre Einöde zu hinterlassen.

 

Der grosse Unterschied
Was sind die Stärken der Bioläden, was unterscheidet Momo von einem Discounter, einer Bio-Supermarkt-Ketten-Filiale oder den Bio-Ecken im konventionellem Supermarkt?
Unser Anspruch: Naturkostläden sind Geschäfte mit einem weitgehenden Qualitätsanspruch und sie treffen Entscheidungen im Zweifel im Sinne dieses Anspruches und gegen die kurzfristige Wirtschaftlichkeit.
Wir meinen es also ernst. Unser Anspruch geht hinsichtlich der Produktqualität um Grössenordnungen weiter als der Qualitätsanspruch an normale Lebensmittel. Dieser Anspruch geht zudem weit ins Politische und Kulturelle, und hier unterscheidet sich unser Anspruch erheblich von dem eines Discounters, oder dem des LEH (LebensMittelEinzelhandel), der seinen eigenen Wertvorstellungen nach unpolitisch ist (dies stellt, immer noch geprägt durch die Naziherrschaft, im LEH einen positiven (!) Wert dar). Dieser Anspruch, "Naturkost" mit all seinen zusätzlichen Werten, steht bei uns im Mittelpunkt der Geschäftspolitik und-aktivität und betrifft nicht nur ein Randsortiment.
Unsere Persönlichkeit: Was Naturkostläden verteten, leben deren Inhaber und zumindest ein Grossteil der MitarbeiterInnen selbst vor. Diese Übereinstimmung von privatem und geschäftlichem Verhalten, von Anspruch und Wirklichkeit in den Personen, macht den entscheidenden und nahezu uneinholbaren Vorsprung der Naturkostläden aus, wo dieser Anspruch tolerant, offen, mit Spass und Lebensfreude vorgetragen wird. Das ist eine Einladung an alle, ihren Lebensstil durch neue Aspekte zu bereichern.
Bioläden sind Geschäfte, in denen es Inhaber gibt, nicht nur Angestellte. Es sind Geschäfte, in denen sowohl Inhaber als auch Angestellte sich für das Sortiment persönlich engagieren und sich damit identifizieren. Wir sind alles andere als anonym, sondern als Personen greifbar. Diese Personalisierung von Anspruch und Leistung ist unserer bedeutendster Erfolgsfaktor.
 
Wenn auch der Faktor "Persönlichkeit" alle Marken und Siegel lange übertrifft, so war es doch unumgänglich, den erhobenen Anspruch auf Dauer nicht nur durch persönliche Versprechen, sondern durch nachvollziehbare Richtlinien und wirksame Kontrollen zu untermauern. Bei der Breite und Tiefe des heutigen Warenangebotes versetzt erst die durch Gesetze, Richtlinien und Kontrollen geschaffene Markt- und Qualitätstransparenz uns Bioladner in die Lage, dem Verbraucher eine persönliche Garantie über die Qualität unseres gesamten Sortiments zu machen.
Ohne die entsprechende Vor- und Mitarbeit von Verbänden, Grosshandel und Kontrollstellen wäre eine solche Garantie unseriös, selbst bei unserem Anspruch an Regionalität (kennen wir "unsere" Bauern und Hersteller doch teilweise seit über 30 Jahren).
Als Kunde wünschte ich, mich auf die Auswahl meines Naturkostladens verlassen zu können. Mich nicht mit all den Aspekten bis ins Detail auseinandersetzen zu müssen.
Entscheidend ist, dass die Inhaber und das Personal der Geschäfte es tun und den Eindruck glaubwürdig vermitteln, vertrauenswürdige Menschen und Unternehmer zu sein.
Die Information: Naturkostgeschäfte sind Geschäfte, die ihre Kunden qualifizieren.
Wir bieten Informationen und Problemlösungen für eine ökologische, gesunde Lebensweise und einen Weg zu "echter" Lebensfreude.
Diese Aufklärungsarbeit hat bis heute unzähligen Menschen geholfen, mit bestimmten Aspekten ihres Lebens besser zurecht zu kommen und diese Aspekte sind nicht auf Umwelt und Ernährung beschränkt. Das Angebot an Informationen, Qualifizierung und Lebenshilfe umfasst die Aufklärung über den Gebrauch und Nutzen von Produkten, Ernährung, Pflege und Haushaltsführung und reicht bis weit in den Bereich der Werteorientierung, Spiritualität und persönlichen Lebensgestaltung.
Der Nutzen: Nutzen ist alles, was der Verbraucher als für sich verwertbare Leistung empfindet. Das ist zunächst die gesundheitliche, dann die Genussqualität. Und unsere Kunden honorieren durchaus auch das, was ihnen nur indirekt oder einfach anderen nützt: Regionalität, artgerechte Haltung, faire Partnerschaften zwischen den Handelsstufen, Umweltschutz.
Ausserdem gute Erreichbarkeit, angepasste Öffnungszeiten, auch Park- und Fahrradstellplätze; Frische bei Brot, Obst, Gemüse,..., Auswahl, Service, auch Schnelligkeit (unsere ärgste Baustelle ;–), Abo- und Lieferdienst, Beratung, Bedientheken, Freundlichkeit, seriöse Preise.
Preise allein sind nicht der entscheidende Erfolgsfaktor. Reduziert man ein Konzept darauf, bleibt ein normales Lebensmittelgeschäft übrig- und dieses findet sich in direkter Konkurrenz mit dem normalen LEH (LebensmittelEinzelHandel), der hinsichtlich der Preise einen erheblichen Vorsprung hat.
Der Besuch in einem Naturkostgeschäft ist für viele zudem ein positiver Erlebniskauf und eine wohltuende Alternative zum unpersönlichen Einkaufszentrum.
Und er ist natürlich auch eine Gewissensangelegenheit, denn der Bioladen ist eine Gelegenheit, politisch korrektes Handeln mit einem persönlichen Vorteil zu verbinden.
Die Originalität: Bioläden sind originell, wir unterscheiden uns in Auftritt, Ambiente, Atmosphäre und Stil (und Geruch, Geräusch, Humor, Licht,...) sichtbar von Discountern, Ketten und vom normalen Handel. Bioläden fühlen sich besser an.

 

Stand 1999 / überarbeitet 2013
momo-raoul



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